Freitag, 5. März 2010

Kaffee und seine Wirkung

ein interessanter Beitrag aus:



Sport und Training weekly


Koffein: Mit Kaffee auf's Treppchen?
Liebe Leserin, lieber Leser,

kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg: die Olympischen Winterspiele 2010. Trotz der Zeitverschiebung von GMT -8 Stunden und des für mich zunächst abschreckenden Unfalls des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili habe ich sehr viele Wettkämpfe verfolgt und freue mich über das absolut zufriedenstellende Abschneiden nicht nur der deutschen Athleten!

Die letzte der 30 Medaillen für Deutschland holte Axel Teichmann im Skilanglauf über 50 km. Für den 2.Platz darf er sich beim starken norwegischen Sieger Petter Northug bedanken, für seinen grandiosen Sprint auf der letzten Runde nicht nur bei seinem Trainingspensum, sondern auch bei dem Inhalt seiner letzten Getränkeflasche: Cola (ohne Kohlensäure) gemischt mit starkem Kaffee. Und das ganze lauwarm. Klingt nicht verlockend, ist dafür aber effektvoll.

Lesen Sie in der heutigen Ausgabe von Sport und Training weekly mehr über die Wirkung von Koffein auf die sportliche Leistung:

Wirkt Kaffee tatsächlich leistungssteigernd?
Welche positiven körperlichen und kognitiven Wirkungen hat Koffein wirklich?
Gibt es evtl. auch unerfreuliche Nebenwirkungen?

Kaffee - wirkt wirklich!
Nicht alle leistungsfördernden Substanzen sind verboten! Koffein wurde von der Liste der verbotenen Substanzen entfernt, obwohl leistungssteigernde Wirkungen darin nachgewiesen wurden. Als gesichert gilt vor allem der Einfluss auf den Fettstoffwechsel und damit die Bedeutung für die Langzeitausdauer. Für den Einsatz bei vorwiegend anaerober Beanspruchung gab es bislang noch keine Hinweise. Wiles et al. (2006) konnten in einem Laborversuch entsprechende Wirkungen nachweisen:

Im Zeitfahren über 1 km im Labor wurde in einer Doppelblindstudie der Effekt von Koffein untersucht. Die Leistungsfähigkeit wurde im Gegensatz zu der bei der Kontroll- und Placebogruppe deutlich erhöht. Für das 1 km lange Zeitfahren benötigten die Testpersonen mit Koffein 71,1 Sekunden, während es ohne Koffeingabe 73,3 Sekunden waren. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 50,7 km/h mit Koffein im Vergleich zu 49,2 km/h ohne Koffein. Um die im Labor verabreichte Koffeinmenge zu erreichen, müsste man allerdings im Mittel 1,5 l Cola oder 9 Espressi trinken. Über die Wirkung geringerer Mengen gibt es keine Ergebnisse...
Koffein für bessere Ausdauer- und Konzentrationsleistungen
Koffein hat eine direkt stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Schon lange weiß man, dass Koffein die Müdigkeit vertreiben und die kognitive Leistung erhöhen kann. Darüber hinaus hat eine Reihe von Studien bestätigt, dass Koffein auch die sportliche Leistung ankurbeln kann. Dies gilt nicht nur für den Ausdauersport, sondern auch für Sportarten mit kurzen, hochintensiven Kraftanstrengungen. In einer gemeinsamen Studie britischer und schweizerischer Wissenschaftler wurden jetzt beide Effekte gleichzeitig untersucht. Hierbei wollte man feststellen, wie sich der Verzehr eines koffeinhaltigen Fitnessriegels vor und während eines Radfahrtrainings auf die physische und kognitive Leistung auswirkt.

Studie:
24 gut trainierte Radfahrer verzehrten 3 verschiedene Produkte unmittelbar vor einem 2,5-stündigen Radfahren bei 60 % ihres VO2max und einem anschließenden „Test bis zur Erschöpfung“ bei 75 % ihres VO2max. Bei den 3 Produkten handelte es sich um

einen Fitnessriegel mit 45 g Kohlenhydraten und 100 mg Koffein
einen Riegel mit der identischen Kohlenhydratmenge, jedoch ohne Koffein
300 ml eines Placebogetränks ohne Kohlenhydrate und Koffein.
Diese Produkte wurden 55 und 115 Minuten nach dem Beginn der Testfahrten erneut verabreicht. Den Wissenschaftlern ging es nicht nur um die Belastungszeiten, sondern auch um die Ergebnisse von kognitiven Tests, die während des Radfahrens, und zwar nach 70 und 140 Minuten, sowie 5 Minuten nach Beendigung des Erschöpfungstests durchgeführt worden waren. Hierbei handelte es sich um den Stroop-Test (einen psychologischen Test für mentale Präsenz und Flexibilität) sowie einen „Rapid Visual Information Processing“-Test (RVIP-Test).
Ergebnisse:
Im Vergleich zum Placeboversuch fuhren die Probanden wie erwartet sowohl beim Koffein-/Kohlenhydrat-Test als auch beim reinen Kohlenhydrat-Test länger, bis sie den Erschöpfungspunkt erreicht hatten. Allerdings war die Belastungszeit beim Koffein-/Kohlenhydrat-Test deutlich länger als beim reinen Kohlenhydrat-Test.
Beim Placebotest war die Leistung bei beiden computerbasierten, komplexen Information-Processing-Tests deutlich schlechter als nach der Gabe von Koffein/Kohlenhydraten und reinen Kohlenhydraten.
Im Vergleich zum reinen Kohlenhydrat-Test waren die Probanden nach dem Verzehr des koffeinhaltigen Riegels signifikant schneller.
Bei diesen Tests kam es nicht zu Speed-Accuracy-Tradeoffs (d. h. es gab keine erhöhten Fehlerzahlen aufgrund einer schnelleren Informationsverarbeitung).
In Bezug auf das Anstrengungsempfinden, die durchschnittliche Herzfrequenz oder relative Belastungsintensität gab es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Tests.

Die Forscher kamen zu der Schlussfolgerung, dass ein koffein-/kohlenhydrathaltiger Fitnessriegel die Ausdauerleistung deutlich erhöhen kann, während gleichzeitig die komplexe kognitive Fähigkeit gesteigert wird. Für Sportarten wie z. B. das Boxen, wo die Konzentration eine wichtige Rolle spielt, können diese Ergebnisse von großer Bedeutung sein.

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Risiko für Muskelschäden als Negativeffekt?
Die potenziellen Vorteile von Koffein auf die sportliche Leistung sind hinreichend beschrieben worden. Koffein hat eine anregende Wirkung auf das zentrale Nervensystem, und in zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass es die Müdigkeit vertreibt und die Leistungsfähigkeit steigert. Neuen brasilianischen Untersuchungen zufolge könnte sich die Verwendung von Koffein zur kurzfristigen Leistungssteigerung jedoch langfristig als zweischneidiges Schwert erweisen.

Studie:
In dieser Studie untersuchten Forscher die Auswirkungen von Koffeingenuss auf die Verteilung der weißen Blutkörperchen und die Marker für eine Muskelverletzung an Profifußballern während des Trainings. 22 Fußballspieler absolvierten 2 identische Trainingsprogramme, mit denen ein Fußballspiel simuliert werden sollte. In der anschließenden Erholungsphase wurden die Sportler regelmäßig untersucht. Bei einem Versuch wurde den Probanden 60 Minuten vor Beginn 5 mg Koffein pro kg Körpergewicht verabreicht, während die andere Versuchsgruppe ein koffeinfreies Placebo erhielt. Durch Bluttests wurde die Konzentration von Leukozyten, Monozyten und segmentkernigen Leukozyten bestimmt. Wie man weiß, steigt die Konzentration dieser weißen Blutkörperchen nach einer Muskelverletzung oder einem Muskeltrauma an. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler auch den Blutenzymspiegel, einschließlich Plasma ALT (Alanine Aminotransferase), der als Parameter für eine Leberfunktionsstörung dient.

Ergebnisse:
Die Ergebnisse überraschten, denn die Wissenschaftler stellten fest, dass die Kombination von Koffein plus Training eine größere Auswirkung auf die Leukozytenzahl hatte als reines Training. So ergab z. B. die Analyse der Leukozyten bei der mit Koffein supplementierten Gruppe eine 5-fach höhere Konzentration als bei der reinen Sportgruppe, die kein Koffein erhalten hatte. Die Lymphozytenzahl wurde durch das Training um rund 38 % erhöht, stieg jedoch in Kombination mit Koffein um weitere 35 % an.

Zudem führte Koffein – unabhängig vom Training – zu einem Anstieg der im Blut zirkulierenden Monozyten, während durch die Kombination von Training und Koffein eine Synergiewirkung bei den segmentkernigen Leukozyten entstand. Die Plasma-ALT-Konzentration stieg zwar bei beiden Gruppen an; bei der Gruppe, der Koffein verabreicht worden war, war der Anstieg allerdings höher. Daraus zogen die Wissenschaftler folgendes Fazit: „Der deutliche Anstieg der weißen Blutkörperchen bei der mit Koffein supplementierten Gruppe resultierte aus einer höheren Muskelbeanspruchung und folglich aus einer stärkeren Endothel- und Muskelverletzung, was auf die Möglichkeit hindeutet, dass Koffein für die beobachtete Veränderung der Leukozytenzahl mit verantwortlich sein könnte und darüber hinaus bei Sportlern das Risiko von Muskelschäden erhöhen kann.“

Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass dies lediglich das Ergebnis einer einzelnen Studie ist und wesentlich mehr Untersuchungen erforderlich sind, ehe man daraus verbindliche Schlussfolgerungen über mögliche schädliche Auswirkungen von Koffein ziehen kann.

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